Scheinwerferlicht

Schweizer Weine im Scheinwerferlicht

Walliser Bote, 2.6.2016 – Die Kellerei Adrian & Diego Mathier aus Salgesch gewann mit ihrem Ambassadeur weiss an der weltweit grössten Weinprämierung in der höchsten Kategorie.

Die Idee zum Ambassadeur weiss kam Diego Mathier im Jahr 2008. Damals wollte er mit einer neuen Weinkreation die kühle Frische der Alpen einfangen. Dies sollte mit den drei Rebensorten Heida, Ermitage und Petite Arvine gelingen. «Der Heida aus unseren Reben in Turtmann sollte Säure, extreme Länge und ein erfrischendes Element einbringen, der Petite Arvine für den Pfiff und der Ermitage für die Aromatik sorgen», so Mathier.

Perfektionismus
Sechs Jahre lang tüftelte er mit seiner Frau Nadja, mit der er den Familienbetrieb 2001 übernommen hatte, und ihrem Önologen Cédric Leyat an der Kreation. Sie feilten an den einzelnen
Bestandteilen des Weins und führten jährlich Blinddegustationen durch, bei denen sie mit den Anteilen der Einzelkomponenten spielten. Dabei fanden sie immer wieder etwas, das ihnen so nicht gefiel. Dann war wiederum Leyat am Zug, um den Wein in die gewünschte Richtung zu trimmen.

Im Jahr 2013 war es schliesslich so weit: So sollte sie sein, die Assemblage, waren sie überzeugt. Die unzähligen kleinen Details spielten harmonisch zusammen. Der entscheidende Schritt war vollbracht, der innere Perfektionist besänftigt. Neben der optimalen Vinifikation lässt man von nun an die Natur arbeiten: «Jedes Jahr ist anders. Ein regnerisches bringt einen anderen Wein her vor als ein warmes», erklärt Mathier.

Nicht «bloss» Gold
Das Ergebnis darf sich sehen lassen. Bereits im letzten Jahr gewann der Ambassadeur weiss mit Jahrgang 2013 neben zahlreichen anderen Preisen die Regional Trophy (Platinum) der Fachzeitschrift «Decanter» als bester Wein der Schweiz. In diesem Jahr nahm die Kellerei erneut an der Prämierung teil. Degustiert wurde im gewaltigen Londoner Lagerhaus namens «Tobacco Dock». Dabei waren 69 der weltweit 343 Masters of Wine anwesend. Verstärkt durch 26 Meister-Sommeliers und weiteren regionalen Experten degustierte die 244-köpfige Jury rund 16000 Weine blind. Flaschen, die eine Goldmedaille erhielten, traten anschliessend in ihrer Region, beispielsweise in Oberitalien und in der Schweiz, an. Wer dort reüssierte, erhielt eine
Platinummedaille. Als Nächstes kürte die Jury den weltweit besten der Platinumgewinner in jeder Kategorie. So geschehen beim Ambassadeur weiss der Adrian & Diego Mathier Kellerei, der sich neuerdings international als «Platinum Best in Show» in der Kategorie «Weissweine teurer als 21 Franken» betiteln kann.

Bedeutung?
Was der Preis für die Kellerei bedeutet? Mathier: «Für mich handelt es sich dabei sicherlich um den international bedeutendsten Preis, den ein Schweizer Wein je gewonnen hat. Zudem ist es sehr wichtig, dass wir auf der ganzen Welt zeigen, dass Schweizer Weine mindestens auf Augenhöhe mit den besten sind oder diese sogar übertreffen.» Im Ausland werde immer häufiger von Walliser Weinen geschwärmt. Besonders vom Petite Arvine oder Heida, und man schätze die Knackigkeit des heimischen Rotweins. «Das Wallis wird von der Weinwelt entdeckt», so Mathier. Und er ist überzeugt, dass solche Auszeichnungen diese Entwicklung weiter fördern. Der hinzugewonnene Ruhm hat auch positive Auswirkungen auf die Nachfrage, berichtet Mathier: «Als wir im letzten Jahr die Regional Trophy gewannen, kamen extrem viele Anfragen aus dem Ausland. Wir haben uns damals aber entschieden, den Wein vor allem in der Schweiz weiterzuverkaufen.»

Neue Perle geplant
Die Kunden müssen aufgrund des Ruhms auch nicht mit massiven Preisaufschlägen nach französischem Vorbild rechnen: «Wir haben einen grossen Stamm an Privatkunden, die uns seit Jahren treu sind und denen wir den Wein nicht plötzlich viel teurer verkaufen wollen», so Nadja Mathier. Der Ambassadeur weiss verkauft sich wie ein in Flaschen abgefülltes Lebenselixier.
Und man plant schon eine neue Assemblage rot. Wann diese erscheinen wird, ist aber noch unklar. Erst heisst es Pröbeln, Tüfteln und Feilen.